Bitte entschuldigt diese lange und unproduktive Zeit. Leider kann ich auch mit keinerlei Rechtfertigung aufkommen und so muss ich wohl oder übel einfach meine Schreibfaulheit in der letzten Zeit zugeben. Ich hoffe jedoch, dass diejenigen unter euch, die vielleicht öfters mal hoffnungsvoll auf der Seite nach Neuem gesucht haben, mir diesen Ausrutscher verzeihen werden. Ich gelobe Besserung, bzw. , Produktivität.
Jetzt sind nun als vier Wochen nach meinem letzten Eintrag vergangen und ich kann diejenigen, die mir versichert haben, dass die Zeit nach den ersten vier schwierigen Wochen schneller vorbei gehen würde, nur bestätigen. Tatsächlich vergingen diese Wochen um einiges schneller als die Ersten. Zwar nicht im Flug, aber was nicht ist kann ja, wie allgemein bekannt, noch werden. Sicherlich ist euch allen bewusst, dass ich nicht alle zwei Wochen mit solchen Riesenartikeln aufwarten kann, da ich selbstverständlich nicht wöchentlich zu irgendwelchen großen Erkenntnissen gelange und vor allem auf Grund der Tatsache, dass dies alles nun auch für mich zur „Normalität“ gehört. Zweifelsohne sorgen die Geschichten der Kinder oder Fahrten durch die komplett verarmten Viertel immer noch für Unglauben und Kopfschütteln und doch hat man sich an all diese Anblicke gewöhnt.
Ich dachte mir, dass vielleicht einige von euch gerne mehr über das Leben hier und die alltäglichen Umstände, sprich, Unterschiede zum Leben in Deutschland erfahren würden. Daher bietet es sich natürlich an, euch einfach mal einen typischen Tag in meinem Leben hier zu schildern.
Mein Tag beginnt morgens um 8 (eigentlich um halb 5, denn jeden Tag so gegen die Zeit ruft das einjährige Töchterchen meiner ältesten Gastschwester zum Morgenappell-.-) mit der kalten Dusche an die auch ich, als bekennender Warmduscher, mich nun endlich gewöhnt habe. Manche werden mir nun vielleicht Weichheit vorwerfen, doch warne ich vor zu viel Übermut, denn irgendwann vermisst jeder einmal eine warme Dusche ;)! Erschwerend kommt noch hinzu, dass auch nicht jeden Tag das Wasser so läuft wie man es sich wünscht. Schon das ein oder andere Mal habe ich mich in der Dusche wieder gefunden, wie ich mir mit einem kleinen Eimer Wasser über Kopf und Körper schütte (ja lacht nur…). Nach diesem erquickenden Erlebnis führt mein Weg ins Wohnzimmer, wo auch schon eine Kanne „Was-auch-immer“ steht. Angeblich irgend ein Mix aus Haferflocken und Orangen oder wie ich es nenne „was-auch-immer“. Auf jeden Fall schmeckt es wirklich gesund und abgesehen davon auch noch gut. Nun heißt es also auf zur Arbeit und so trete ich aus der Türe auf die staubigen Straßen meiner Nachbarschaft und begebe mich zu meiner Arbeitsstätte. Auf der Fahrt zur Schule durchfahre ich die Viertel in denen meine Schüler wohnen und meine Blicke schweifen über die heruntergekommenen Behausungen, welche in Deutschland nicht einmal als Hundehütten anerkannt werden würden. Versteht dies bitte nicht als Arroganz, aber es ist schlicht und ergreifend die Wahrheit. An der Schule angekommen werde ich meistens von der ganzen Schule begrüßt, da der peruanische Alltag an einer öffentlichen Schule im Großen und Ganzen doch eigentlich nur aus einer großen Pause besteht. Ich meine mich zu erinnern, dass ich im vorherigen Artikel andeutete, wie ernst die Lehrer es hier mit ihren Verpflichtungen sehen. Irgendwo aus den hinteren Ecken erklingt Gangstermusik (meine geschulten Ohren erkennen Gangstermusik in allen Sprachen), da sind also meine Kiddies! Im Laufe der nächsten Stunden werde ich, je nach Tag, mit ihnen „Hackerchen“ spielen, was nachdem ich ihnen die grundlegenden Regeln erläutert habe auch mit großer Begeisterung gespielt wird, ihnen Gitarre beibringen oder einfach nur mit ihnen „Dummbabbeln“. Denn das beherrschen die hier ebenso gut wie Jugendliche in Deutschland. So wird von Mädchen und was man alles mit ihnen gemacht hat oder bald machen wird erzählt und im Endeffekt läuft es immer darauf hinaus, dass die Hälfte gelogen war und das Gelächter ist groß. Also eigentlich wie in Deutschland ;) Nun da mein Spanisch jedoch auch mehr zulässt, spreche ich auch, wenn die Gelegenheit es zu lässt, mit ihnen über ihre Pläne danach oder frage sie, was sie eigentlich so vom Leben erwarten. Viele der Jungs wünschen sich nichts mehr als aus diesen Verhältnissen auszubrechen und ein besseres Leben ihr eigen nennen zu können. Oft sind sie sich selbst über ihr falsches Verhalten und dessen Kontraproduktivität in Bezug auf ihre Zukunft bewusst. Und doch wissen viele nicht wie sie den Gittern der Armut und der Perspektivlosigkeit hier entkommen sollen. Entweder fehlt das Geld oder die Unterstützung zu Hause. Vor allem die Verhältnisse in den Häusern der Kinder sind schockierend. Ohne zu übertreiben, kann ich behaupten, dass mir noch kein Kind auf meiner Schule (eine öffentliche Schule, keine private) von einem „normalen“ zu Hause erzählt hat. Viele der Familien sind von Gewalt und Alkoholismus zerrissen und stellen somit keinerlei Unterstützung für die Kinder dar. Mein Draht zu den Jungs ist mehr als gut, da ich mir im Laufe der Wochen ihren Respekt und ihre Anerkennung erarbeitet habe (hauptsächlich durch Sport ;)). Was ich auf jeden Fall erwähnen möchte, ist die Definition von „Liebe“, welche die Jugendlichen hier anhängen. Schmeißt alle Möchtegern-Emos bei uns zu Hause in die Tonne, die Jungs hier meines ernst. Jedes Jahr kommt es vor, dass ein paar 14-17 Jährige aus nicht erwiderter Liebe zu einem Mädchen Selbstmord begehen wollen. Einer aus meiner Gruppe versuchte dies letztes Jahr mit einer Überdosis Pillen und scheiterte jedoch. Anscheinend hat er jetzt auch erkannt, dass das Leben auch noch einen Sinn macht, wenn man mit 16 verlassen wird und bewirbt sich um ein Stipendium an einer Universität in Lima. Er kann froh sein, dass er diese Feststellung noch machen konnte. Mein Chef erzählte mir, wie dieses Phänomen ein Problem in ganz Peru sei, da die Jugendlichen ein „ohne-deine-Liebe-macht-mein-Leben-keinen-Sinn“-Verständnis von Liebe zu besitzen scheinen. Diesem Phänomen würde ich gerne in meiner Zeit hier ein wenig mehr auf den Grund gehen und die Ursprünge in Erfahrung bringen. Um zwölf ist meine Arbeit verrichtet und ich mache mich auf den Weg nach Hause. Dort wartet dann auch schon der obligatorische Teller voll mit Reis, Bohnen und Fleisch oder Fisch auf mich. Meistens nutze ich die Zeit zwischen ein und drei Uhr mittags um ein wenig Kontakt zu Deutschland zu pflegen und mich Nachrichtentechnisch auf den neusten Stand zu bringen. Danach gibt es verschiedene Optionen. Entweder treffe ich mich mit Leuten im Stadtzentrum und wir bummeln durch die Passage oder trinken einen Shake und erzählen über das Leben oder ich widme mich meinen geliebten Büchern und der Gitarre. Beim Bummeln durch die Stadt sind alle Blicke auf uns (meine zwei Mitfreiwilligen und mich) gerichtet, da Tumbes ein von Touristen relativ freies Gebiet darstellt. Was jedoch jeden der einmal diese Stadt besucht hat kaum wundern wird. Auf jeden Fall bewege ich mich durch die Straßen wie eine Art „Star“, da mich hier irgendwie jeder zu kennen scheint. Aus allen Richtungen höre ich meinen Namen gerufen und die Leute winken mir zu. Meistens kenne ich die Leute nicht einmal aber grüße, höflich wie ich bin, zurück. Hin und wieder spricht mich sogar einer der Mototaxi-Fahrer mit Namen an. Fragt mich nicht woher die alle meinen Namen kennen. Scheint mir als brauche ich noch einen Monat und mich kennt wirklich ganz Tumbes. Die zwei deutschen Mädels haben es hingegen ein wenig unangenehmer als ich, ihre Spaziergänge durch die Stadt werden von Pfiffen und Rufen der Männer begleitet und nicht selten von ziemlich dreisten Aktionen wie vor zwei Wochen, als ein älterer (und ziemlich ekliger) Mann einfach eine Digicam zückte und knallhart auf die Zwei hielt. Blondes weißes Mädchen möchte ich hier echt nicht sein ;).Generell ist mir aufgefallen, dass die Menschen hier mit „anstarren“ keine Probleme haben. Versucht man in Deutschland, wenn man von der Neugier gepackt wurde, durch unauffälliges Schielen oder versteckte Blicke seinen Gegenüber zu betrachten, glotzt man ihn hier einfach nur an. Auch wenn dieser (also Sophie, Saskia oder ich) es bemerkt und zurück guckt wird einfach weiter geglotzt. Ein wenig unangenehm ist es schon. Aber von solchen Nichtigkeiten lasse ich mich natürlich nicht aus der Bahn werfen. Gegen 6 Uhr abends setze ich mich dann in ein Taxi Richtung Fitness Center um auch schön den ganzen Reis abzutrainieren. Wie in jedem Fitness Center auf der Welt gibt es auch hier Männer, welche sich stundenlang an ihrem eigenen Spiegelbild ergötzen anstatt mal ein paar anständige Gewichte aufzulegen. Abends heißt es dann meistens gemütliches Beisammensein bei Familienbesuch oder eben an Frei- und Samstagen ausgehen. Glücklicherweise ist mein Bruder was das Ausgehen angeht ein äußerst Aktiver Charakter und so kann ich immer davon ausgehen, dass irgendetwas zu tun ist am Wochenende. Dieses Wochenende gab ich mein Debut auf einer Hausparty. Was langsam anfing entwickelte sich zu einer grandiosen Party und wurde nur davon gekrönt, dass ich den Gästen bei Salsa auf der Tanzfläche die Ehre erwies. Ja diese schreckliche Musik verfolgt mich immer noch auf Schritt und Tritt… Wie ihr nun gemerkt habt, birgt mein Alltag nicht immer Abenteuer und Aufregung in sich. Diesen Fehler, zu denken jeder Tag hier ist voll mit Action und Aufregendem geladen, machen glaube ich viele zu Hause. Es gibt hier ebenso jene Tage, an denen die Langeweile überwiegt, wie Tage, welche man als „perfekt“ bezeichnen kann. Auf jeden Fall habt ihr jetzt ein wenig Ahnung davon, wie ich meine Tage hier verbringe.
Jetzt sind nun als vier Wochen nach meinem letzten Eintrag vergangen und ich kann diejenigen, die mir versichert haben, dass die Zeit nach den ersten vier schwierigen Wochen schneller vorbei gehen würde, nur bestätigen. Tatsächlich vergingen diese Wochen um einiges schneller als die Ersten. Zwar nicht im Flug, aber was nicht ist kann ja, wie allgemein bekannt, noch werden. Sicherlich ist euch allen bewusst, dass ich nicht alle zwei Wochen mit solchen Riesenartikeln aufwarten kann, da ich selbstverständlich nicht wöchentlich zu irgendwelchen großen Erkenntnissen gelange und vor allem auf Grund der Tatsache, dass dies alles nun auch für mich zur „Normalität“ gehört. Zweifelsohne sorgen die Geschichten der Kinder oder Fahrten durch die komplett verarmten Viertel immer noch für Unglauben und Kopfschütteln und doch hat man sich an all diese Anblicke gewöhnt.
Ich dachte mir, dass vielleicht einige von euch gerne mehr über das Leben hier und die alltäglichen Umstände, sprich, Unterschiede zum Leben in Deutschland erfahren würden. Daher bietet es sich natürlich an, euch einfach mal einen typischen Tag in meinem Leben hier zu schildern.
Mein Tag beginnt morgens um 8 (eigentlich um halb 5, denn jeden Tag so gegen die Zeit ruft das einjährige Töchterchen meiner ältesten Gastschwester zum Morgenappell-.-) mit der kalten Dusche an die auch ich, als bekennender Warmduscher, mich nun endlich gewöhnt habe. Manche werden mir nun vielleicht Weichheit vorwerfen, doch warne ich vor zu viel Übermut, denn irgendwann vermisst jeder einmal eine warme Dusche ;)! Erschwerend kommt noch hinzu, dass auch nicht jeden Tag das Wasser so läuft wie man es sich wünscht. Schon das ein oder andere Mal habe ich mich in der Dusche wieder gefunden, wie ich mir mit einem kleinen Eimer Wasser über Kopf und Körper schütte (ja lacht nur…). Nach diesem erquickenden Erlebnis führt mein Weg ins Wohnzimmer, wo auch schon eine Kanne „Was-auch-immer“ steht. Angeblich irgend ein Mix aus Haferflocken und Orangen oder wie ich es nenne „was-auch-immer“. Auf jeden Fall schmeckt es wirklich gesund und abgesehen davon auch noch gut. Nun heißt es also auf zur Arbeit und so trete ich aus der Türe auf die staubigen Straßen meiner Nachbarschaft und begebe mich zu meiner Arbeitsstätte. Auf der Fahrt zur Schule durchfahre ich die Viertel in denen meine Schüler wohnen und meine Blicke schweifen über die heruntergekommenen Behausungen, welche in Deutschland nicht einmal als Hundehütten anerkannt werden würden. Versteht dies bitte nicht als Arroganz, aber es ist schlicht und ergreifend die Wahrheit. An der Schule angekommen werde ich meistens von der ganzen Schule begrüßt, da der peruanische Alltag an einer öffentlichen Schule im Großen und Ganzen doch eigentlich nur aus einer großen Pause besteht. Ich meine mich zu erinnern, dass ich im vorherigen Artikel andeutete, wie ernst die Lehrer es hier mit ihren Verpflichtungen sehen. Irgendwo aus den hinteren Ecken erklingt Gangstermusik (meine geschulten Ohren erkennen Gangstermusik in allen Sprachen), da sind also meine Kiddies! Im Laufe der nächsten Stunden werde ich, je nach Tag, mit ihnen „Hackerchen“ spielen, was nachdem ich ihnen die grundlegenden Regeln erläutert habe auch mit großer Begeisterung gespielt wird, ihnen Gitarre beibringen oder einfach nur mit ihnen „Dummbabbeln“. Denn das beherrschen die hier ebenso gut wie Jugendliche in Deutschland. So wird von Mädchen und was man alles mit ihnen gemacht hat oder bald machen wird erzählt und im Endeffekt läuft es immer darauf hinaus, dass die Hälfte gelogen war und das Gelächter ist groß. Also eigentlich wie in Deutschland ;) Nun da mein Spanisch jedoch auch mehr zulässt, spreche ich auch, wenn die Gelegenheit es zu lässt, mit ihnen über ihre Pläne danach oder frage sie, was sie eigentlich so vom Leben erwarten. Viele der Jungs wünschen sich nichts mehr als aus diesen Verhältnissen auszubrechen und ein besseres Leben ihr eigen nennen zu können. Oft sind sie sich selbst über ihr falsches Verhalten und dessen Kontraproduktivität in Bezug auf ihre Zukunft bewusst. Und doch wissen viele nicht wie sie den Gittern der Armut und der Perspektivlosigkeit hier entkommen sollen. Entweder fehlt das Geld oder die Unterstützung zu Hause. Vor allem die Verhältnisse in den Häusern der Kinder sind schockierend. Ohne zu übertreiben, kann ich behaupten, dass mir noch kein Kind auf meiner Schule (eine öffentliche Schule, keine private) von einem „normalen“ zu Hause erzählt hat. Viele der Familien sind von Gewalt und Alkoholismus zerrissen und stellen somit keinerlei Unterstützung für die Kinder dar. Mein Draht zu den Jungs ist mehr als gut, da ich mir im Laufe der Wochen ihren Respekt und ihre Anerkennung erarbeitet habe (hauptsächlich durch Sport ;)). Was ich auf jeden Fall erwähnen möchte, ist die Definition von „Liebe“, welche die Jugendlichen hier anhängen. Schmeißt alle Möchtegern-Emos bei uns zu Hause in die Tonne, die Jungs hier meines ernst. Jedes Jahr kommt es vor, dass ein paar 14-17 Jährige aus nicht erwiderter Liebe zu einem Mädchen Selbstmord begehen wollen. Einer aus meiner Gruppe versuchte dies letztes Jahr mit einer Überdosis Pillen und scheiterte jedoch. Anscheinend hat er jetzt auch erkannt, dass das Leben auch noch einen Sinn macht, wenn man mit 16 verlassen wird und bewirbt sich um ein Stipendium an einer Universität in Lima. Er kann froh sein, dass er diese Feststellung noch machen konnte. Mein Chef erzählte mir, wie dieses Phänomen ein Problem in ganz Peru sei, da die Jugendlichen ein „ohne-deine-Liebe-macht-mein-Leben-keinen-Sinn“-Verständnis von Liebe zu besitzen scheinen. Diesem Phänomen würde ich gerne in meiner Zeit hier ein wenig mehr auf den Grund gehen und die Ursprünge in Erfahrung bringen. Um zwölf ist meine Arbeit verrichtet und ich mache mich auf den Weg nach Hause. Dort wartet dann auch schon der obligatorische Teller voll mit Reis, Bohnen und Fleisch oder Fisch auf mich. Meistens nutze ich die Zeit zwischen ein und drei Uhr mittags um ein wenig Kontakt zu Deutschland zu pflegen und mich Nachrichtentechnisch auf den neusten Stand zu bringen. Danach gibt es verschiedene Optionen. Entweder treffe ich mich mit Leuten im Stadtzentrum und wir bummeln durch die Passage oder trinken einen Shake und erzählen über das Leben oder ich widme mich meinen geliebten Büchern und der Gitarre. Beim Bummeln durch die Stadt sind alle Blicke auf uns (meine zwei Mitfreiwilligen und mich) gerichtet, da Tumbes ein von Touristen relativ freies Gebiet darstellt. Was jedoch jeden der einmal diese Stadt besucht hat kaum wundern wird. Auf jeden Fall bewege ich mich durch die Straßen wie eine Art „Star“, da mich hier irgendwie jeder zu kennen scheint. Aus allen Richtungen höre ich meinen Namen gerufen und die Leute winken mir zu. Meistens kenne ich die Leute nicht einmal aber grüße, höflich wie ich bin, zurück. Hin und wieder spricht mich sogar einer der Mototaxi-Fahrer mit Namen an. Fragt mich nicht woher die alle meinen Namen kennen. Scheint mir als brauche ich noch einen Monat und mich kennt wirklich ganz Tumbes. Die zwei deutschen Mädels haben es hingegen ein wenig unangenehmer als ich, ihre Spaziergänge durch die Stadt werden von Pfiffen und Rufen der Männer begleitet und nicht selten von ziemlich dreisten Aktionen wie vor zwei Wochen, als ein älterer (und ziemlich ekliger) Mann einfach eine Digicam zückte und knallhart auf die Zwei hielt. Blondes weißes Mädchen möchte ich hier echt nicht sein ;).Generell ist mir aufgefallen, dass die Menschen hier mit „anstarren“ keine Probleme haben. Versucht man in Deutschland, wenn man von der Neugier gepackt wurde, durch unauffälliges Schielen oder versteckte Blicke seinen Gegenüber zu betrachten, glotzt man ihn hier einfach nur an. Auch wenn dieser (also Sophie, Saskia oder ich) es bemerkt und zurück guckt wird einfach weiter geglotzt. Ein wenig unangenehm ist es schon. Aber von solchen Nichtigkeiten lasse ich mich natürlich nicht aus der Bahn werfen. Gegen 6 Uhr abends setze ich mich dann in ein Taxi Richtung Fitness Center um auch schön den ganzen Reis abzutrainieren. Wie in jedem Fitness Center auf der Welt gibt es auch hier Männer, welche sich stundenlang an ihrem eigenen Spiegelbild ergötzen anstatt mal ein paar anständige Gewichte aufzulegen. Abends heißt es dann meistens gemütliches Beisammensein bei Familienbesuch oder eben an Frei- und Samstagen ausgehen. Glücklicherweise ist mein Bruder was das Ausgehen angeht ein äußerst Aktiver Charakter und so kann ich immer davon ausgehen, dass irgendetwas zu tun ist am Wochenende. Dieses Wochenende gab ich mein Debut auf einer Hausparty. Was langsam anfing entwickelte sich zu einer grandiosen Party und wurde nur davon gekrönt, dass ich den Gästen bei Salsa auf der Tanzfläche die Ehre erwies. Ja diese schreckliche Musik verfolgt mich immer noch auf Schritt und Tritt… Wie ihr nun gemerkt habt, birgt mein Alltag nicht immer Abenteuer und Aufregung in sich. Diesen Fehler, zu denken jeder Tag hier ist voll mit Action und Aufregendem geladen, machen glaube ich viele zu Hause. Es gibt hier ebenso jene Tage, an denen die Langeweile überwiegt, wie Tage, welche man als „perfekt“ bezeichnen kann. Auf jeden Fall habt ihr jetzt ein wenig Ahnung davon, wie ich meine Tage hier verbringe.
Wovon ich euch auch noch erzählen möchte sind die Wahlen, welche hier letzte Woche stattgefunden haben. Der Wahlkampf hier war eine der nervigsten Zeiten in meinem Leben und ich bin heilfroh, dass ich eine zweite Wahl nicht miterleben muss. Ah ne, es kommt ja noch die Präsidentenwahl nächstes Jahr. Diese hier waren die Regionalwahlen. Zum Wahlkampf lässt sich eigentlich nur sagen, dass das Ziel der Kampagne war möglichst laut zu sein. Morgens fuhren Autos durch die Straßen und beschallten mich um sieben Uhr morgens mit Salsa und irgendwelchen Wahlversprechen, mittags fuhren laute Kolonnen durch die Straßen und belästigten mich ein weiteres Mal mit Salsa und abends fanden irgendwelche Salsaparties statt. In Deutschland wäre ein so unseriöser Wahlkampf undenkbar und die Kandidaten würden sich lächerlich machen. Hier jedoch ist das einzige was zählt, wer am meisten Aufmerksamkeit auf sich zieht und die besten Partys schmeißt. Die Wahl an sich war, wie ich es mir auch schon dachte, eine Farce. Trotz meines kurzen Aufenthaltes wurde ich dank meines ständigen Aufenthaltes in der Regierung schon des Öfteren Zeuge von Korruption und hatte somit auch in die Wahlen nicht wirklich Vertrauen. Zu Recht, wie sich heraus stellte. Ich weiß aus sehr sicherer Quelle, dass der Kandidat der gewonnen hat, sich Stimmen im Dutzend gekauft hat (das auch noch zu Spottpreisen) und unter anderem Leuten Wahlbetrug ermöglicht hat (Wähler aus anderen Bezirken wählten hier anstatt in ihren). Sehr interessant finde ich jedoch, dass in Peru Wahlpflicht besteht und saftige Geldstrafen drohen, wenn man seiner Pflicht als rechtschaffender Bürger nicht nachgeht. Vielleicht würde das unseren desinteressierten und verantwortungslosen Wahlverweigerern in Deutschland ein wenig auf die Sprünge helfen. Aber dann wiederum bedeutet Demokratie auch Freiheit und Freiheit bedeutet unter anderem die Freiheit zu besitzen, zu entscheiden, ob man seinen faulen Hintern von der Couch erhebt und wählen geht oder eben nicht. Es überraschte mich auch nicht, dass die nächsten Tage im TV von Wahlbetrug in anderen Bezirken berichtet wurde und hier in Tumbes Protestdemonstrationen stattfanden, sondern passte eher ins Gesamtbild. Als meine zwei Mitfreiwilligen und ich eine dieser Demonstrationen zufällig durchquerten wurden wir auch ganz begeistert mit ihnen für ihre Sache zu kämpfen und es brach ein riesen Jubel aus, als ich meine Arme hab und ihrem Gesang kurzzeitig mit einstimmte (wie ihr seht, kämpfe ich auch auf der anderen Seite der Welt für die Demokratie, wenn auch nur für ein paar wenige Sekunden ;)). Was sich hier Demokratie schimpft ist nüchtern gesehen eigentlich eine „ Nepokratie“ . Damit will ich zum Ausdruck bringen, dass es sich zwar rechtlich um eine Demokratie handelt, aber in der Realität so dermaßen von Nepotismus zerfressen ist, dass man sogar als unbeteiligter Ausländer nur mit dem Kopf schütteln kann. Auch diese Anschuldigungen basieren auf persönlichen Erlebnissen und nicht auf Vorurteilen gegenüber Demokratien in Dritte Welt Ländern. Es ist normal, dass ein neuer regionaler Präsident 75% der Leute entlässt und seine eigenen Freunde und Verwandten einstellt. Ich rede jetzt nicht von einem administrativen Kabinett. Sondern von ganz normalen Angestellten. Wie ihr seht bin ich unter anderem auch als politischer Beobachter in Peru unterwegs. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, die Wahlen zu manipulieren und mich zum Präsidenten des Bundesstaats Tumbes ernennen zu lassen, verwarf die Idee jedoch auf Grund von Zeitgründen. Vielleicht werde ich sie im April zu den Präsidentschaftswahlen wieder aufgreifen.
Abschließend möchte ich mich noch kurz mit der Religion und ihrer Bedeutung hier auseinandersetzen. Meistens ist eine der ersten Fragen, welche einem gestellt werden, wenn man eine neue Person kennenlernt: „Was für einer Religion gehörst du an?“. Da ich nun wirklich keine Lust habe, mich mit meinem gebrochenen Spanisch auf eine philosophische Diskussion über die Komplexheit meines persönlichen Glaubens einzulassen und in Anbetracht der Tatsache, dass ich sowieso weiß, was sie hören wollen, antworte ich einfach mit „Ich bin Christ“. Abgesehen von meiner mangelnden Lust mich darüber zu unterhalten, hat das jedoch auch den Grund, dass ich weiß, welche Bedeutung die Religion für die Menschen hier hat. Erleichtert durch die Tatsache, dass ich Christ bin, fällt ihnen dann auch die Konversation mit mir leichter. Nur die Tatsache, dass ich Protestant bin eckt hier und da ein wenig an, da die meisten hier katholisch sind (auch wenn es bei uns in Deutschland so gut wie keinen mehr interessiert ob katholisch oder evangelisch). Man vermag sich bei uns zu Hause kaum vorzustellen, dass eine solche Frage darüber entscheiden kann, ob der andere einen mag oder nicht. Ich weiß, dass diese Wichtigkeit der Religion für uns (den Großteil) in Europa ein doch eher mittelalterliches Bild darstellt und doch gibt es eine Erklärung, warum die Religiosität in ärmeren Ländern um ein Vielfaches höher ist als in der wohlhabenden westlichen Welt. Meiner Meinung nach liegt die Ursache der Wichtigkeit der Religion in der Armut der Bevölkerung. Für Menschen die im jetzigen Leben nicht viel haben, am Hungertuch nagen und in ständiger Existenzangst leben, bietet die Religion einen willkommenen Zufluchtsort. Das Hoffen an ein besseres Leben danach macht die Schwierigkeiten im Diesseits erträglicher und bietet somit eine Orientierung im Leben, nach der sich viele Menschen hier sehnen. Somit geben sich die Menschen hier einen Sinn im Leben inmitten des ganzen Elends. Natürlich ist mir bewusst, dass weitaus intelligentere Menschen vor mir auf diese Erkenntnis gestoßen sind und trotzdem hatte ich Lust darüber zu schreiben. Da gab es z.B. diesen vollbärtigen Mann, der einmal sagte: „Religion ist Opium für das Volk“. Wann braucht man Opium? Wenn man schwer verletzt ist. Sind wir im Westen schwer verletzt und brauchen Opium zur Linderung unserer Schmerzen? Nein, deswegen verliert die Religiosität auch immer mehr an Bedeutung in unserem Alltag . Die Menschen hier brauchen das Opium. Gerade heute zog ein Menschenzug morgens um die Häuser und veranstaltete eine Art „Gebetsmarsch“ und viele meiner Jungen waren mit dabei und deshalb nicht in der Schule. Auch die meisten meiner Kinder in der Schule sind gläubig. Wie sie ihre Kriminalität und ihr Verhalten mit den Gesetzen der Bibel in Einklang bringen ist mir auch ein Rätsel. Klarstellen möchte ich, dass ich nicht behaupte, dass in Europa keine religiösen Menschen mehr existieren, sondern mich darauf beziehe, welche Bedeutung die Religion im Alltag besitzt. Natürlich gibt es auch bei uns Gläubige und doch spielt die Religion eine ganz andere Rolle als hier, eine eher untergeordnete. Ich hüte mich auch davor eines der beiden zu verurteilen und überlasse es jedem Menschen selbst zu wählen an was und warum er glaubt.
So komme ich auch zum Ende meines Eintrags, da ich die drei Hauptthemen, welche ich behandeln wollte (Alltag, Wahlen und Religion) zu Papier gebracht habe und auch der Meinung bin, dass vier Seiten ausreichen ;). In Zukunft werde ich versuchen öfter, aber dafür auch kürzer und spezifischer zu bloggen. So werde ich z.B. auch in der nächsten Zeit ein paar kleinere Artikel schreiben, die sich z.B. mit meiner kleinen Reise nach Trujillo befassen oder anderen kleinen Geschehnissen. Auch erwartet mich am Samstag eine riesen Party zu Ehren meiner kleinen Gastneffin, die ein Jahr alt wurde. Anscheinend ist dies in Peru ein Anlass zur großen Feierei, denn die Vorbereitungen laufen seit zwei Wochen und es werden 100 Gäste erwartet. Von daher warte ich einmal ab was das gibt. Wieder einmal hoffe ich, dass ihr euch beim Lesen nicht gelangweilt und mir eure Minuten gerne geopfert habt.
Abschließend möchte ich mich noch kurz mit der Religion und ihrer Bedeutung hier auseinandersetzen. Meistens ist eine der ersten Fragen, welche einem gestellt werden, wenn man eine neue Person kennenlernt: „Was für einer Religion gehörst du an?“. Da ich nun wirklich keine Lust habe, mich mit meinem gebrochenen Spanisch auf eine philosophische Diskussion über die Komplexheit meines persönlichen Glaubens einzulassen und in Anbetracht der Tatsache, dass ich sowieso weiß, was sie hören wollen, antworte ich einfach mit „Ich bin Christ“. Abgesehen von meiner mangelnden Lust mich darüber zu unterhalten, hat das jedoch auch den Grund, dass ich weiß, welche Bedeutung die Religion für die Menschen hier hat. Erleichtert durch die Tatsache, dass ich Christ bin, fällt ihnen dann auch die Konversation mit mir leichter. Nur die Tatsache, dass ich Protestant bin eckt hier und da ein wenig an, da die meisten hier katholisch sind (auch wenn es bei uns in Deutschland so gut wie keinen mehr interessiert ob katholisch oder evangelisch). Man vermag sich bei uns zu Hause kaum vorzustellen, dass eine solche Frage darüber entscheiden kann, ob der andere einen mag oder nicht. Ich weiß, dass diese Wichtigkeit der Religion für uns (den Großteil) in Europa ein doch eher mittelalterliches Bild darstellt und doch gibt es eine Erklärung, warum die Religiosität in ärmeren Ländern um ein Vielfaches höher ist als in der wohlhabenden westlichen Welt. Meiner Meinung nach liegt die Ursache der Wichtigkeit der Religion in der Armut der Bevölkerung. Für Menschen die im jetzigen Leben nicht viel haben, am Hungertuch nagen und in ständiger Existenzangst leben, bietet die Religion einen willkommenen Zufluchtsort. Das Hoffen an ein besseres Leben danach macht die Schwierigkeiten im Diesseits erträglicher und bietet somit eine Orientierung im Leben, nach der sich viele Menschen hier sehnen. Somit geben sich die Menschen hier einen Sinn im Leben inmitten des ganzen Elends. Natürlich ist mir bewusst, dass weitaus intelligentere Menschen vor mir auf diese Erkenntnis gestoßen sind und trotzdem hatte ich Lust darüber zu schreiben. Da gab es z.B. diesen vollbärtigen Mann, der einmal sagte: „Religion ist Opium für das Volk“. Wann braucht man Opium? Wenn man schwer verletzt ist. Sind wir im Westen schwer verletzt und brauchen Opium zur Linderung unserer Schmerzen? Nein, deswegen verliert die Religiosität auch immer mehr an Bedeutung in unserem Alltag . Die Menschen hier brauchen das Opium. Gerade heute zog ein Menschenzug morgens um die Häuser und veranstaltete eine Art „Gebetsmarsch“ und viele meiner Jungen waren mit dabei und deshalb nicht in der Schule. Auch die meisten meiner Kinder in der Schule sind gläubig. Wie sie ihre Kriminalität und ihr Verhalten mit den Gesetzen der Bibel in Einklang bringen ist mir auch ein Rätsel. Klarstellen möchte ich, dass ich nicht behaupte, dass in Europa keine religiösen Menschen mehr existieren, sondern mich darauf beziehe, welche Bedeutung die Religion im Alltag besitzt. Natürlich gibt es auch bei uns Gläubige und doch spielt die Religion eine ganz andere Rolle als hier, eine eher untergeordnete. Ich hüte mich auch davor eines der beiden zu verurteilen und überlasse es jedem Menschen selbst zu wählen an was und warum er glaubt.
So komme ich auch zum Ende meines Eintrags, da ich die drei Hauptthemen, welche ich behandeln wollte (Alltag, Wahlen und Religion) zu Papier gebracht habe und auch der Meinung bin, dass vier Seiten ausreichen ;). In Zukunft werde ich versuchen öfter, aber dafür auch kürzer und spezifischer zu bloggen. So werde ich z.B. auch in der nächsten Zeit ein paar kleinere Artikel schreiben, die sich z.B. mit meiner kleinen Reise nach Trujillo befassen oder anderen kleinen Geschehnissen. Auch erwartet mich am Samstag eine riesen Party zu Ehren meiner kleinen Gastneffin, die ein Jahr alt wurde. Anscheinend ist dies in Peru ein Anlass zur großen Feierei, denn die Vorbereitungen laufen seit zwei Wochen und es werden 100 Gäste erwartet. Von daher warte ich einmal ab was das gibt. Wieder einmal hoffe ich, dass ihr euch beim Lesen nicht gelangweilt und mir eure Minuten gerne geopfert habt.
In diesem Sinne: Cuidate y ciao ciao!
PS: Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, einen Antrag an die UN aufzusetzen, bezüglich der Forderung, den Besitz einer Waschmaschine auf die Liste der Menschenrechte zu setzen.
PS: Ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken, einen Antrag an die UN aufzusetzen, bezüglich der Forderung, den Besitz einer Waschmaschine auf die Liste der Menschenrechte zu setzen.
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