Freitag, 20. August 2010
Bienvenido a Perú!
Nach ca. 15 Stunden Flugzeit, einigen verlorengegangenen Gepäckstücken und vor allem nach 3 Flugzeugmahlzeiten war es endlich soweit. Wir marschierten in die Eingangshalle des Flughafens von Lima und wurden von einem riesigen Banner empfangen: "Bienvenido a Perú"! Willkommen in Peru, endlich, wie wir uns wohl alle dachten, hatten wir doch alle lange genug auf diesen Moment gewartet! Total übermüdet trotteten wir richtung Ausgang wo wir von einer erwartungsvollen AFS-Mitarbeiterin erwartet wurden (AFS ist die Organisation mit welcher ich entsendet wurde, wieder einmal gilt, wer mehr wissen will--> googlen;) ). Mit einem Minibus fuhren wir zu einem Youth Hostel, wurden in die Zimmer eingewiesen und begaben uns in das langersehnte Land der Träume. Drehen wir die Uhr um wenige Stunden zurück, Caracas, Venezuela. Unsere erste Berührung mit Südamerika, wenn auch nur eine kurze. Dort gelandet warteten wir auf unseren Anschlussflug nach Lima und wurden sogleich mit der Organisation eines südamerikanisch geführten Flughafens vertraut gemacht. Langer Rede kurzer Sinn, innerhalt von einer halben Stunde wechselte unser Gate gefühlte 20 Mal und 1 Koffer ging verloren (alle verlorenen Gepäckstücke sind zu dieser Zeit wieder im Besitz ihrer rechtmäßigen, aber vor allem wieder glücklichen Besitzer). Drehen wir nun wieder ein wenig am Rad der Zeit. Tag 1 in Lima, Peru! Sichtlich erschöpft, aber dennoch voller Tatendrang starteten wir in den Tag. Ein Freund und ich machten uns zunächst einmal bei einem kleinen Morgenspaziergang durch die nahegelegenen Blocks auf Nahrungssuche und wurden recht schnell auch fündig. Erspähten unsere hungrigen Augen doch eine Frau, welche belegte Brötchen aus einer Plastiktüte verkaufte. 70 Centimos und 2 Bissen später waren wir uns einig: Was für ein Schnäppchen! Hatten wir doch gerade unseren ersten guten Deal auf peruanischen Boden getätigt, nämlich das billigste Frühstück aller Zeiten [1 Euro = 3,50 Sol (1 Sol = 100 Centimos)]! Nun ja, es wäre auch zu schön gewesen...einen Tag später erfuhren wir von einem peruanischen AFSler, dass nur Volltrottel auf der Straße Essen kaufen, da man sich durch den Verzehr solcher unhygienischer Speisen allerhand einfangen kann...aber hey, wie sagt man so schön: Nur die harten kommen in den Garten. Den Tag über durchgingen wir größtenteils langweiliges Programm (Passfotos machen lassen, Visum prolongieren etc.). Dennoch wurden wir äußerst effektiv mit einer peruanischen Eigenheit bekannt gemacht, an welche wir uns wohl oder übel schnellst möglichst gewöhnen werden müssen. Peruaner warten lange und gerne, sprich, nichts und niemand ist hier pünktlich :D. Busse kommen wann sie wollen, beim Fotografen wartet man auch mal eine Stunde obwohl keinerlei andere Kundschaft weit und breit in Sicht ist und verabredete Zeiten sind auch nur "Empfehlungen". Dies wird uns mit unserer "deutschen Pünktlichkeit" wohl noch den ein oder anderen Nerv rauben...doch dazu sind wir ja hier...interkulturelles Lernen ;)! Zu den Peruanern an sich lässt sich bisher sagen, dass sie einem mit einer sehr warmen und freundlichen Art entgegenkommen und zudem ein hohes Interesse an den "Gringos" aufzuweisen haben. So geschah es, dass für ein paar Freunde und mich der Kauf einer Cola mit einem Fotoshooting mit Angestellten endete. Sehr schmeichelhaft ;)! Das Programm in Lima besteht zum größten Teil aus Seminaren, in welchen wir mehr über das Land, die Leute und ihre Bräuche erfahren. Éin wenig Zeit für Sightseeing bleibt selbstverständlich auch, was ich natürlich sehr begrüße, da dadurch auch mein kulturelles Interesse an der Stadt Lima an sich gedeckt wird und wir uns ein Bild von der Hauptstadt Perus machen können. Doch der wirklich spannende Teil folgt erst am Samstag! Wir begeben uns auf den Weg in unsere Städte, wo wir für die nächsten 12 Monate in einem Entwicklungsprojekt arbeiten werden. Ich werde in der nördlich gelegenen Stadt "Tumbes" bei einem Projekt names "Precoss" arbeiten, welches sich mit Drogenprävention mit Jugendlichen beschäftigt. Genaueres liegt auch mir noch nicht vor, weswegen ich die nächsten Tage mit großer Spannung erwarte! Auch das Thema Gastfamilie verspricht für Spannung zu sorgen, da ich noch keinerlei Kontakt zu ihr hatte und so gut wie nichts über sie in Erfahrung bringen konnte, bis auf eine Kleinigkeit. Meine Gastfamilie hatte vor 2 Jahren schon einmal einen Gast von AFS aufgenommen und durchweg schlechte Erfahrungen gemacht! Nicht gerade erfreuliche Nachrichten um es milde gesagt auszudrücken, erhofft man sich doch eine unvoreingenommene Familie, welche einen mit Begeisterung und offenen Armen empfängt und nicht eine, welche von Vorurteilen behaftet und von schlechten Erinerrungen geplagt ist. Doch halt, laufe nicht ich gerade Gefahr, solcher Vorurteile und falscher Wahrnehmungen zum Opfer zu fallen? Ist es nicht meine Vorgabe, den Dingen im Gastland offen und unvoreingenommen entgegenzutreten? Reiß dich zusammen, Lucas! Das Bangen geht weiter, das Mysterium Gastfamilie bleibt vorerst ein Ungelöstes...folgt mir auf meiner 18 stündigen Busreise nach Tumbes, an die Grenze von Ecuador und begleitet mich bei meiner ersten Begegnung mit meiner Gastfamilie!Noch einmal schlafen und es ist soweit...das Abenteuer beginnt jetzt!!!
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